Kultur- und Heimatverein Landwüst

Kunst, KUltur, Heimatpflege, Heimatkunde, bürgerschzaftliches Engagement für gemeinnützige Zwecke

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Walter Wunderlich - Zwickerwast´l

Der Gründer des Bauernmuseums wird 100.
Walter Wunderlich 14.11.1911 bis 25.11.83
Walter Wunderlich 14.11.1911 bis 25.11.83

Am 14. November 1911 wurde Walter Wunderlich mit Spitznamen „Zwickerwast´l" in Landwüst geboren. Von seinem ersten Lebenstagen an bis zu seinem Tod am 25. November 1983 wohnte er – lediglich mit Unterbrechung der Kriegsjahre – in seinem Bergbauernhof. Walter Wunderlich war und ist auch heute noch weit über die Grenzen des Vogtlandes hinaus bekannt. Er legte den Grundstein für das Bauernmuseum, das heutige Freilichtmuseum Landwüst.

Walter Wunderlich entstammte einfachen bäuerlichen Verhältnissen, interessierte sich sehr frühzeitig für das Vergangene nicht nur in seinem Dorf, sondern darüber hinaus. Wissbegierig sammelte er Briefmarken, aus denen ja bekanntlich allerhand herauszulesen ist. So füllten sich im Laufe seines Lebens etliche Alben mit zahlreichen vollständigen Sätzen und einer Vielzahl von Sondermarken. Eifer und Sammlerleidenschaft übertrugen sich nach dem Krieg auf das Auffinden von altertümlichen Gerätschaften. Anfangs stöberte er zunächst in seinem eigenen Gehöft auf dem Böden und versteckten Winkel nach handwerklichen und bäuerlichen Stücken, die abseits lagen, also nicht mehr gebraucht wurden. Walter Wunderlich fand vieles vor und staunte selbst über Dinge, die längst aus seinem Gedächtnis entschwunden waren. Diese Funde reizten ihn so sehr, dass er sich sagte: da müsste doch etliches auch in anderen Häusern zu finden sein. Er begab sich meist in den Abendstunden auf dörfliche Wanderschaft und sah sich äußerst vorsichtig und behutsam bei Bekannten um, fragte nach nicht mehr benötigen Haushaltsgeräten und bäuerlichen Habseligkeiten, nach alten Fotos oder irgendwie „alten Zeug", wie er es spaßenshalber selber nannte. Dabei begab er sich persönlich auf Spitzböden, kramte in Schubfächern und entstaubte das Innere manch abgestellten Schrankes.

Nach und nach schleppte er so allerhand zusammen, brachte es zunächst in einen altersschwachen Schuppen im nahe gelegenen Wald. Er war der Ansicht von seinen Mitmenschen und Dorfbewohnern ausgelacht und verspottet zu werden, was durchaus angebracht erschien. Später trug er die praktisch versteckten Dinge nach Hause und verstaute sie im eigenen Gebäude. Mittlerweile sprach sich auch außerhalb des Dorfes herum, dass hier im abgelegenen Landwüst eine Sammelleidenschaft von besonderer Art existiert. Dem damaligen Kreisbeauftragten für Denkmalpflege im Kreis Klingenthal, Friedrich Jaeger, kam dies zu Ohren und er schrieb 1958: „In Landwüst beschäftigt sich Bauer Walter Wunderlich mit der Sicherstellung wertvoller Altertümer, die den Anfang eines Heimatmuseums darstellen. So konnten unter anderem gerettet werden eine alte Feuerspritze, ein Lühhut, alte Öfen, Möbel und Bauerngeräte. Er hat volle Unterstützung duch den Kreisbeauftragten."

1961 wurde im Hintergebäude des sogenannten „Spitzenhaus", dem ehemaligen Adlerschen Kolonialwarenladen und der späteren Konsumverkaufstelle, erstmals das von Walter Wunderlich Zusammengetragene der Öffentlichkeit als Heimatstube vorgestellt. Zaghaft ging man an das Bestaunen heran, wenig später jedoch fand das Dargebotene regen Zuspruch. Inzwischen war der Platz für weitere Gerätschaften zu eng geworden. Es musste eine Lösung geschaffen werden. Das bis 1965 bewohnte aus dem Jahr 1782 stammende Wohnstallhaus mit Egerländer Fachwerkgiebel war für eine solche Ausstellung wie geschaffen. Nach mehrjähriger Bauzeit wurde es am 05. Mai 1968 als Bauernmseum geöffnet. Es war nicht nur der Höhepunkt im Leben und Schaffen des Walter Wunderlich, es war zugleich ein entscheidender Tag für die kleine Dorfgemeinde Landwüst. Leider war es Walter Wunderlich nur wenige Jahre vergönnt, in seinem neu eingerichteten Museum frei schalten und walten zu können. Man legte ihm nahe, diese Einrichtung einem Architekten als Leiter zu überlassen. Aber trotz alledem sammelte er unentwegt weiter. Der Plan sah nämlich vor, aus den bescheidenen Anfängen ein Freilichtmuseum aufzubauen.

Walter Wunderlich starb am 25. November 1983. Er hat mit seiner Sammelleidenschaft, seinem ständigen Suchen nach Altem, seinem uneingeschränkten Eifer und stetem Interesse den Grundstein gelegt für das heutige Vogländische Freilichtmuseum Landwüst. (Ehrenfried Reidel / Nov. 2001)

Und heute...

Im Museum Landwüst wurden zu den bereits vorhandenen Gebäuden bis 1992 insgesamt sechs weitere entsprechende bauliche Objekte umgesetzt. Die letzte Umsetzung erfolgte in Form einer alten Scheune, die nach Umbauten nun als kultur.tenne benutzt wird. Über 12.000 Sachzeugen vermitteln einen interessanten und zugleich lehrreichen Einblick in die Arbeits- und Lebensweise der vogtländischen Landbevölkerung von Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Original eingerichtete - zum Teil noch funktionstüchtige - Werkstätten des dorftypischen Handwerks erzählen vom lebensnotwendigen Nebenerwerb der Bauern.

Bewirtschaftete Felder, blühende Hausgärten und einige Tiere alter Rassen vervollkommnen das Bild von der einstigen Struktur vogtländischer Dörfer.
Aus Anlass des einhundertsten Geburtstages von Walter Wunderlich blickt eine Sonderausstellung auf die gemeinesame Geschichte seiner Person und des Museums zurück.

www.museum-landwuest.de